Christian Balke berichtet von Erlebnissen in Rio

Seit drei Jahren ist Christian Balke Mitglied der Paralympischen Nationalmannschaft, begleitet und trainiert deutsche Top-Athleten in Trainingslagern und internationalen Meisterschaften. Anders als bei den bisherigen Welt- und Europameisterschaften war die Nominierung für die Paralympics in Rio ein echtes Nervenspiel. Erst am Tag vor Beginn des Vorbereitungstrainingslagers im Bundesleistungszentrum Kienbaum bei Berlin kam auf Nachfrage das Okay des Bundestrainers und damit die Gewissheit, beim größten Sportfest des Behindertensports dabei zu sein,aber auch sechs Wochen Jahresurlaub investieren zu müssen. In Kienbaum standen die besten Bedingungen zu Verfügung, um die Kugelstoßtechniken zu optimieren und die Schnellkraftpotentiale voll auszureizen. Gleichzeitig betreute Balke auch weitere Athleten beim Krafttraining, so dass in knapp drei Wochen 80 Trainingsstunden zusammenkamen. Dennoch fand er nach dem Abendessen auch noch Zeit für das eigene Krafttraining. Nach der Einkleidung in Hannover ging es zum Abschlusswettkampf nach Hachenburg im Westerwald, wo Daniel Scheil seine Trainingsleistungen bestätigen konnte. Nach 11-stündigem Flug und der Akklimatisierung im Paralympischen Dorf in Rio galt es für beide Athleten, die gute Form zu konservieren und das richtige Mittel zwischen Trainingsbelastung und Regeneration zu finden. Die Eröffnungsfeier im vollbesetzten Maracana-Stadion war für alle Mannschaftsmitglieder ein unvergessliches Erlebnis. Rio 2016 StadionDaniel Scheil, der in Chemnitz wohnt und für den BVS Weiden startet, leidet seit einem Herzinfarkt 2008 an einer spastischen Tetraparese und ist auf den Rollstuhl angewiesen ist. Er stößt die 3-Kilo-Kugel aus einem speziell angefertigten Wurfstuhl. Nachdem zwei Russische Konkurrenten mit ihrer Mannschaft aufgrund systematischen Dopings ausgeschlossen wurden, kam es im Kampf um Gold zum Duell zwischen Scheil und Kamel Kardjena aus Algerien, der bereits in Peking und London die Titel gewann. Kardjena legte mit 10,94 Meter vor. Scheil konterte prompt mit neuer Saisonbestleistung von 11,03 Meter. Bei dieser Reihenfolge bleib es bis zum Ende, so dass der Chemnitzer auf dem Siegerpodest der Deutschen Nationalhymne lauschen durfte. Lange hatte der Start von Birgit Kober aus München auf der Kippe gestanden. Bei einer schweren Infektion am Daumen und einer Erkältung hatte sie Glück im Unglück, dass sie erst am letzten Wettkampftag dran war. Sie leidet an einer weniger schweren spastischen Tetraparese und stößt die 3-Kilo-Kugel stehend. Sie konnte sie sich gerade rechtzeitig erholen, um sich in der Klasse F37 mit 11,51 Metern und über einem Meter Vorsprung den Titel zu holen.




Die Paralympischen Spiele hinterließen bei Balke einen bleibenden Eindruck. Der gigantische bauliche und organisatorische Aufwand kann einem Schwellenland wie Brasilien nicht hoch genug angerechnet werden. Auch im nächsten 2017 ist der Weidener wieder mit dem Nationalteam unterwegs. Im März geht’s zum Trainingslager nach Dubai und im Juli zum Saisonhöhepunkt, der IPC-Weltmeisterschaft in London mit vorhergehendem Vorbereitungstrainingslager in Kienbaum.